Wenn das Wild überall ist

Drei Tage Drückjagd in Schweden

Drei Tage Drückjagd in Schweden

Es gibt Jagdtage, an denen man einfach nur auf eine einzige gute Gelegenheit hofft. Und dann gibt es Tage, an denen man so viel Wild sieht, dass die eigentliche Herausforderung darin besteht, zu entscheiden, wann man schießt und vor allem, wann nicht.

Genau das habe ich auf dieser Reise nach Schweden erlebt, zu der ich von Aimpoint eingeladen wurde. Drei Tage Drückjagd tief in den schwedischen Wäldern, mit beeindruckend viel Wild, einer bis ins kleinste Detail durchdachten Organisation und klar definierten Abschussvorgaben.

Während der drei Jagdtage begleitet mich ein Kameramann. Unsere Aufgabe ist es, einige jener Jagdszenen einzufangen, die manchmal nur wenige Sekunden dauern.

Geschrieben von Härkila Ambassador @Feliew_chasse

Beeindruckende Organisation

Schon am frühen Morgen wird deutlich, dass uns eine besondere Jagd erwartet. Auf dem Weg zum Treffpunkt fahren wir durch die Dunkelheit über eine lange Allee, die von Feuern gesäumt ist. Die Atmosphäre ist eindrucksvoll und beinahe unwirklich.

Sobald alle Jäger versammelt sind, werden die Vorgaben für den Tag besprochen. Sie sind präzise und müssen genau eingehalten werden. Hier wird nicht einfach auf das erste Stück Wild geschossen, das in Anblick kommt. Es ist klar festgelegt, welches Wild freigegeben ist: Rotwildkälber, geringe Stücke Schwarzwild, starke Keiler und junges Damwild.

Auch während der Jagd sind die schwedischen Jäger bestens miteinander vernetzt. Funkgeräte ermöglichen die laufende Kommunikation, während eine GPS App die Positionen der verschiedenen Teilnehmer anzeigt und so einen genauen Überblick über das Treiben ermöglicht.

Nach jedem Treiben kommen alle wieder zusammen und ziehen Bilanz. Welches Wild wurde gesehen? Auf welche Stücke wurde geschossen? Was wurde erlegt? Die Organisation unterscheidet sich in einigen Punkten von dem, was wir aus anderen Ländern kennen, funktioniert aber ausgesprochen effizient.

Viel Wild und schwierige Entscheidungen

Sobald ich auf meinem Stand bin, heißt es warten, aufmerksam bleiben und jederzeit bereit sein. Es dauert nicht lange, bis sich das erste Wild zeigt.

Schwarzwild, Damwild und Rotwild sind reichlich vorhanden, und während der drei Tage entstehen immer wieder neue Situationen. Doch viel Wild zu sehen bedeutet keineswegs, auch viel zu schießen. Im Gegenteil.

Wenn mehrere Stücke gleichzeitig auftauchen, muss innerhalb kürzester Zeit erkannt werden, welches davon freigegeben ist. Gleichzeitig gilt es, seine Bewegung einzuschätzen und sicherzustellen, dass alle Voraussetzungen für einen sauberen und sicheren Schuss gegeben sind.

Mit Adrenalin im Körper und manchmal nur wenigen Sekunden für die Entscheidung ist das vermutlich eine der größten Herausforderungen einer Drückjagd. Während dieser Tage lasse ich mehrere Keiler ziehen, weil ich nicht hundertprozentig sicher bin, ob sie den Abschussvorgaben entsprechen. Auch nicht zu schießen gehört zur Jagd.

Erster Tag: Schnee und eine Rotte Schwarzwild

Am ersten Tag zeigt sich die Landschaft von ihrer schönsten Seite. Schnee bedeckt Teile des Waldes und verleiht der Drückjagd eine ganz besondere Atmosphäre. Rotwild und Damwild sind da, ebenso das Schwarzwild, doch zunächst ergibt sich keine Situation, in der ein Schuss den Vorgaben entspricht.

Dann beginnt das letzte Treiben des Tages. Nach wenigen Minuten taucht eine Rotte Schwarzwild im Schnee auf. Mein Schussfeld ist stark eingeschränkt, doch ich kann eine Gelegenheit nutzen und zwei geringe Stücke Schwarzwild erlegen. Den ganzen Tag hatte ich noch keinen Schuss abgegeben, und plötzlich gelingt mir eine Doublette.

Damit ist der Tag noch nicht vorbei. Auch das Schalenwild ist in Bewegung, und ich bekomme die Gelegenheit, ein Rotwildkalb und einen jungen Damhirsch zu erlegen. Was für ein Jagdtag. Zwischen den Treiben treffen sich die Jäger bei heißer Suppe und kleinen Snacks. Eine Gelegenheit, sich aufzuwärmen und neue Kraft zu sammeln, aber natürlich auch, um über das gesehene Wild und die bisherigen Jagderlebnisse zu sprechen.

Zweiter Tag: Bis zum letzten Licht

Am zweiten Tag scheint sich die Geschichte zunächst zu wiederholen. Das Wild ist da, doch die Situationen sind nicht immer eindeutig genug, um einen sicheren Schuss abzugeben. Die Stunden vergehen und langsam beginnt das Tageslicht zu schwinden.

Wieder ist es das letzte Treiben, das den Tag entscheidend verändert. Ein junges Stück weibliches Damwild kommt zwischen den Bäumen angelaufen.

Der Schuss ist alles andere als einfach. Das Stück bewegt sich schnell, die Bäume lassen nur ein sehr kleines Schussfenster frei und die Dunkelheit rückt näher. Mir bleiben nur wenige Sekunden für die Entscheidung. Schließlich öffnet sich zwischen den Bäumen eine kleine Lücke. Ich nutze die Gelegenheit und kann das Stück erlegen.

Ein anspruchsvoller Schuss und ein entsprechend intensiver Jagdmoment.

Dritter Tag: Noch mehr Intensität

Nach zwei bereits ereignisreichen Jagdtagen ist kaum vorstellbar, dass sich die Intensität am dritten Tag noch steigern lässt. Doch genau das passiert.

Schon im ersten Licht verlässt ein sehr starker Keiler das Treiben, bevor wir überhaupt richtig auf unseren Ständen angekommen und die Büchsen geladen sind. Die erste Gelegenheit ist vorbei, bevor die Jagd für uns richtig begonnen hat.

Kurz darauf zieht eine Rotte Schwarzwild durch den Bereich. Dieses Mal gelingt es mir, mich trotz der Bewegungen auf dem Hochsitz, die durch meinen Kameramann entstehen, auf ein geringes Stück Schwarzwild zu konzentrieren. Ich komme zum Schuss und kann das Stück mit einem gut platzierten Treffer erlegen.

Doch der Tag ist noch lange nicht vorbei. Das nächste Treiben wird außergewöhnlich intensiv. Kaum haben wir unsere Stände erreicht, kommt Schwarzwild aus verschiedenen Richtungen. Dazu gesellt sich Damwild, und eine Jagdsituation folgt auf die nächste.

Dieses Mal entsprechen viele der anwechselnden Stücke den Abschussvorgaben des Tages. Ich nutze die sich bietenden Chancen, und am Ende dieses außergewöhnlichen Treibens habe ich vier Stücke Schwarzwild, ein weibliches Stück Damwild und einen jungen Damhirsch erlegt.

Der Abschluss des Jagdtages: Dem Wild die letzte Ehre erweisen

Am Ende jedes Jagdtages folgt ein besonderer Moment. Die Strecke wird präsentiert und dem erlegten Wild die letzte Ehre erwiesen. Auch dabei unterscheidet sich die schwedische Tradition von den Bräuchen, die man aus anderen Ländern kennt. Nicht jedes erlegte Stück wird auf die Strecke gelegt. Stattdessen liegt dort jeweils ein Vertreter jeder Wildart, symbolisch für das gesamte Wild, das an diesem Tag erlegt wurde.

Danach folgt ein besonders feierlicher Moment. Für jede Wildart wird eine eigene traditionelle Melodie zu ihren Ehren gespielt. Die Klänge des Jagdhorns ziehen durch den Wald, und nach der Intensität des Jagdtages kehrt langsam wieder Ruhe ein. Die Jäger bedanken sich bei den Hundeführern und ihren Hunden für ihre Arbeit und bei den Organisatoren für die Jagd. Anschließend kommen wir bei einem gemeinsamen Getränk zusammen und erzählen von den Situationen und Erlebnissen des Tages.

Ich freue mich schon jetzt auf den November, denn ich wurde erneut eingeladen. Hoffentlich erwartet uns wieder eine Jagd mit ebenso viel Action, Spannung und unvergesslichen Momenten.

Ausrüstung für die Jagd