Weltklasse-Rehböcke

Die Rehböcke von Trolle Ljungby

Zu Besuch in einem der besten Rehbockreviere Europas

Wir besuchten eines der weltweit besten Reviere für kapitale Rehböcke und sprachen mit dem Revierleiter hinter diesem außergewöhnlichen Erfolg.

Ich sitze im Garten des Revierleiterhauses und trinke Kaffee mit Linus Larsson, Revierleiter auf Trolle Ljungby. Es ist Anfang August und die Eröffnung der schwedischen Bockjagd steht nur noch wenige Tage bevor.

„Am Dienstag kommen Franz Albrecht und das gesamte Kamerateam. Dieses Jahr haben wir einige wirklich starke Böcke für sie“, sagt Linus und zeigt mir Fotos von Rehböcken der absoluten Spitzenklasse. Der Gartentisch biegt sich förmlich unter den schweren Gehörnen. Einige sind Abgüsse der stärksten Böcke des Reviers aus den vergangenen Jahren – andere sind Originale. Eine Sammlung, die jedem passionierten Bockjäger den Atem raubt, der davon träumt, einmal einen Goldmedaillen-Bock im Zielfernrohr zu haben.

„Diese Sammlung raubt jedem passionierten Bockjäger den Atem, der davon träumt, einmal einen Goldmedaillen-Bock im Fadenkreuz zu sehen.“

Linus Larsson kam im Jahr 2000 direkt von der Wildtiermanagementschule in Kalø nach Trolle Ljungby. Eigentlich sollte er die Jagd auf dem 12.000 Hektar großen Gut schrittweise vom legendären Revierleiter Liljenberg übernehmen, der das Revier über Jahrzehnte geprägt hatte. Doch Liljenberg ging unmittelbar vor Linus’ Ankunft in den Ruhestand – der Einstieg wurde dadurch deutlich härter als geplant.

Auf dem Gut wurde eine umfangreiche Fasanen-, Rebhuhn- und Entenjagd betrieben, sämtliche Vögel wurden vor Ort aufgezogen und der frisch ausgebildete Revierleiter hatte alle Hände voll zu tun. Doch Linus meisterte die Aufgabe. Noch heute arbeitet er hier mit großer Leidenschaft – unterstützt von einem Assistenten und einem festen Auszubildenden, die ihm bei den täglichen Aufgaben auf diesem großen Jagdgut helfen.

Es sind jedoch nicht die Flugwildjagden, die Trolle Ljungby weit über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt gemacht haben, sondern der außergewöhnliche Rehwildbestand. Viele Jäger haben – bewusst oder unbewusst – bereits Bekanntschaft mit den legendären Böcken von Trolle Ljungby gemacht, sei es in Jagdfilmen oder auf Bildern in europäischen Jagdmagazinen.

Die Böcke hier sind tatsächlich etwas Besonderes. Jedes Jahr werden auf dem Gut etwa 25 bis 30 Böcke erlegt, davon erreichen sieben bis zehn Medaillenstärke. Einige davon erzielen Größen, die man schlicht als extrem bezeichnen muss. Doch was steckt hinter diesem Rehwildbestand, der über Jahrzehnte hinweg immer wieder kapitale Goldmedaillen-Böcke hervorgebracht hat?

Eine einfache Erklärung

Neben guten Genen geht es vor allem um Erfahrung im Wildmanagement und um Geduld. Hinter dem Erfolg der südschwedischen Rehbockjagd steckt keine Magie. Es gibt keine geheimen Tricks, keine Zäune und keine spezielle Kraftfütterung. Der Unterschied liegt allein in konsequenter Hege und professioneller Revierarbeit.

Die Trophäensammlung des Gutes zeigt deutlich, dass die genetische Grundlage für starke Böcke hier schon immer vorhanden war. Bereits vor über hundert Jahren wurde auf Trolle Ljungby konsequentes Wildmanagement betrieben und ein sehr selektiver Abschussplan nach deutschem Vorbild umgesetzt. Als der heutige Besitzer, Jagdliebhaber Graf Trolle-Wachtmeister, den Betrieb in den 1950er Jahren übernahm, lud er Jagdfreunde zur Bockjagd ein und schnell wurde klar, dass hier außergewöhnlich starke Böcke vorkommen.

Historisch gesehen kommt das Rehwild nicht auf dem gesamten Gut gleichmäßig vor, sondern konzentriert sich vor allem auf den Bereich, den man „die Ebene“ nennt. Dieses Gebiet umfasst etwa die Hälfte der gesamten Fläche des Gutes. Dort versucht man, den Rehwildbestand möglichst gut zu schützen, indem man Damwild und Schwarzwild fernhält.

Vor allem das Damwild verträgt sich laut Linus schlecht mit dem Rehwild. Wo Damwild dominiert, zieht sich das Rehwild meist zurück. Eine zusätzliche Fütterung findet nicht statt – nur unter extremen Winterbedingungen wird zugefüttert. Auch Mineralien werden nicht ausgebracht.

Durch seine genaue Kenntnis des Reviers erstellt Linus jedes Jahr einen detaillierten Abschussplan. Dabei geht es darum, schwächere Böcke zu entnehmen oder Böcke zu erlegen, die ihren Höhepunkt erreicht haben. Das klingt einfacher, als es tatsächlich ist – Erfahrung spielt dabei eine enorme Rolle.

Zum einen müssen einzelne Böcke von Jahr zu Jahr sicher wiedererkannt werden – laut Linus gelingt das in etwa 90 Prozent der Fälle. Zum anderen entwickeln sich Böcke nicht immer gleichmäßig. Manche haben schwächere Gehörnjahre und legen im Folgejahr wieder deutlich zu. Vieles basiert daher auch auf Erfahrung und Bauchgefühl – die Ergebnisse zeigen jedoch eindeutig, dass Linus weiß, was er tut.

Wie entstehen kapitale Böcke?

Das Erfolgsrezept von Trolle Ljungby basiert vor allem auf Alter, Beobachtung und Selektion. Wer stärkere Böcke im eigenen Revier hervorbringen möchte, kann viel von Linus Larsson lernen.

Wie stark Böcke werden können, hängt natürlich von Genetik und Bodenqualität ab. Trotzdem lässt sich in fast jedem Revier eine deutlich bessere Durchschnittsqualität erreichen, wenn konsequent auf starke Böcke hingearbeitet wird.

Beobachten Sie Ihre Böcke intensiv – mit Fernglas, Kamera und Wildkameras – um ein genaues Bild Ihres Bestandes zu bekommen.

Bei der Entnahme junger Böcke sollten nur außergewöhnlich schwache und kleine Stücke bejagt werden. Ein einjähriger Bock mit kleinem Gehörn kann sich später durchaus zu einem kapitalen Bock entwickeln.

Die stärksten Böcke sollten möglichst fünf bis sechs Jahre alt werden dürfen. Geduld zahlt sich fast immer aus.

Außerdem ist es wichtig, dass dem Rehwild ganzjährig ausreichend natürliche Nahrung zur Verfügung steht.

Und: Je größer die Fläche ist, die nach denselben Prinzipien bewirtschaftet wird, desto besser werden die Ergebnisse. Kooperationen mit Nachbarrevieren können dabei sehr sinnvoll sein.

Perfekte Kontrolle des Bestandes

Linus zeigt mir Fotos von Böcken, die über viele Jahre hinweg beobachtet wurden. Einer davon – mit dem Spitznamen „Karotte“ – wurde neun Jahre lang verfolgt, bevor er schließlich als beeindruckender Ausnahmebock mit mächtigen Stangen erlegt wurde. Das Fotoarchiv des Reviers ist einzigartig und äußerst lehrreich für jeden, der sich für die Entwicklung von Rehbockgehörnen interessiert.

Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Wer möglichst starke Böcke erlegen möchte, muss den stärksten Böcken Zeit geben, ihren Höhepunkt zu erreichen. In Trolle Ljungby geschieht das meist im Alter von fünf bis sechs Jahren. Bei der Bestandsregulierung konzentriert man sich auf schwächere Stücke mit schlechter körperlicher Verfassung.

Jährlingsböcke werden nur erlegt, wenn sie körperlich außergewöhnlich schwach sind – denn das Gehörn sagt in diesem Alter nur sehr wenig über das tatsächliche Potenzial eines Bockes aus.

Insgesamt werden auf Trolle Ljungby jedes Jahr etwa 100 Stück Rehwild erlegt. Zusätzlich fordern die Straßen im Revier rund 50 weitere Stücke als Fallwild – etwa die Hälfte davon Böcke.

Der Straßenverkehr verursacht damit fast genauso viele Verluste wie die Jagd selbst. Jedes Jahr befinden sich unter den Verkehrsopfern auch kapitale Medaillenböcke. Linus zeigt mir das Gehörn eines Verkehrsunfall-Bockes mit über 150 Punkten. Sein Gesichtsausdruck verrät deutlich, wie ärgerlich solche Verluste sind – doch sie gehören zum Alltag eines Reviers, das von der E22 durchquert wird, einer der meistbefahrenen Straßen Schwedens.

Historisch gesehen kommt das Rehwild nicht gleichmäßig auf dem gesamten Gut vor, sondern konzentriert sich hauptsächlich auf den Bereich der „Ebene“. Dieses Gebiet umfasst etwa die Hälfte der gesamten Revierfläche. Dort versucht man, den Rehwildbestand möglichst gut vor Damwild und Schwarzwild zu schützen.

Vor allem Damwild verdrängt laut Linus das Rehwild stark aus bestimmten Bereichen. Gefüttert wird nur in extremen Wintern – zusätzliche Mineralien oder Spezialfutter gibt es nicht.

Der enorme Aufwand im Rehwildmanagement basiert allerdings nicht nur auf Leidenschaft. Natürlich gibt es auch Jäger, die bereit sind, für außergewöhnlich starke Böcke entsprechende Trophäengebühren zu bezahlen. Nur dadurch lässt sich der enorme Zeitaufwand wirtschaftlich rechtfertigen, den professionelles Wildmanagement mit sich bringt. Die Arbeit auf Trolle Ljungby ist weit entfernt von einem kleinen Hobbyprojekt.

Linus zeigt mir schließlich eines der Gehörne aus der vergangenen Saison: ein wunderschön regelmäßiger Sechser mit außergewöhnlich starker Perlung. Ganze 158 Perlen zählt das Gehörn – auf Trolle Ljungby allerdings keine absolute Seltenheit.

Ich kann Linus Larssons Faszination für das Rehwildmanagement sehr gut verstehen. Und ich glaube, damit bin ich nicht allein.

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Der Großteil der Böcke hält sich auf der sogenannten „Ebene“ auf, die etwa die Hälfte des gesamten Reviers ausmacht. Dort wird der Rehwildbestand gezielt und sorgfältig gehegt.

Der Großteil der Böcke hält sich auf der sogenannten „Ebene“ auf, die etwa die Hälfte des gesamten Reviers ausmacht. Dort wird der Rehwildbestand gezielt und sorgfältig gehegt.