Pirsch

Rothirschjagd auf Weltklasse-Niveau

Die Suche nach dem Kapitalhirsch in Frankreich

Seit Jahrhunderten hat der Rothirsch einen besonderen Stellenwert in der europäischen Jagd. Für mich als französischen Jäger war er schon immer das faszinierendste Wild – zum Beobachten, Fotografieren und natürlich zur Jagd.

Zwei Hirsche konnte ich bereits auf Drückjagden erlegen – doch die Pirsch auf einen reifen Hirsch blieb ein Traum. Bis zu diesem Moment: Samstag, der 23. September.

Schwieriger Auftakt

Der erste Jagdtag beginnt um 7 Uhr bei Sonnenaufgang. Die Brunft läuft seit zwei Wochen, und schon nach wenigen Minuten hallt das Röhren durch den Wald.

Mein Ziel ist ein bestimmter Hirsch – ein alter Bekannter. Ich habe ihn über Jahre beobachtet, fotografiert und auf Wildkameras verfolgt. Ein außergewöhnliches Stück mit starkem Geweih.

Ich kenne dieses Revier seit meiner Kindheit. Heute bin ich 25 und bereit für diese Herausforderung.

Der erste Tag bleibt schwierig. Die Temperaturen steigen schnell, wir sehen mehrere Hirsche – aber nicht den richtigen. Gleichzeitig weiß ich: Die Qualität im Revier ist hoch. Ich bleibe offen für eine Chance.

Zu klug für mich?

Am Nachmittag ergeben sich Möglichkeiten auf Schwarzwild, doch mein Fokus liegt klar auf dem Hirsch.

Überall stehen Alttiere und Kälber. Schließlich entdecke ich einen Hirsch. Die Pirsch beginnt, doch schnell ist klar: nicht der gesuchte.

Ich nutze die Situation als Training. Der herbstliche Wald, die Farben, das Licht – eine eindrucksvolle Kulisse. Am Ende stehen 17,7 Kilometer auf der Uhr. Ohne Erfolg.

Jetzt wird es ernst

Am nächsten Morgen liegt dichter Nebel über dem Revier. Das Röhren ist intensiver als am Vortag.

Noch vor Tageslicht mache ich mich auf den Weg. Nach etwa 30 Minuten sehe ich ihn: „den einen“. 150 Meter vor mir. Doch nur von hinten, also ist kein Schuss möglich.

Er steht mit drei weiteren Hirschen. Der Wind dreht, sie nehmen Witterung auf und ziehen ab.

Eine Stunde später finde ich sie wieder. 250 Meter, breit stehend, aber mitten in der Gruppe. Zu riskant. Wieder dreht der Wind. Diesmal entdecken sie mich. Der Vormittag ist beendet.

Hoffnung am Abend

Am Nachmittag starte ich erneut. Zwei Stunden ohne Bewegung. Dann erreiche ich ein großes Feld.

Erst sehe ich nur Lauscher im hohen Gras. Dann wird klar: Rund 15 Stück Rotwild liegen vor mir, doch kein Hirsch.

Ich warte. In der Brunft ist ein solcher Platz selten ohne Hirsch.

Plötzlich ein tiefes Röhren und er steht auf. Ein gewaltiger Hirsch.

Ich beobachte ihn lange im Glas. Körper, Verhalten, Geweih – alles spricht für ein reifes Stück. Die Entscheidung fällt schnell: Das ist meine Chance.

Der Moment der Wahrheit

Der Hirsch zieht näher. Das Rudel wird unruhig, sichert in alle Richtungen. Immer wieder stellt er jüngere Konkurrenten. Nach 20 Minuten ergibt sich die Möglichkeit. Ich gehe in Anschlag. Das Geweih erscheint im Zielfernrohr. Der Hirsch zieht direkt auf mich zu. Kurz darauf steht er breit. Eine letzte Bewegung, ein kurzer Pfiff – er sichert. Ich nehme den Druckpunkt auf. Der Schuss bricht. Im Glas sehe ich, wie der Hirsch zeichnet und liegt.

Ein Traum wird Wirklichkeit

124 Meter Flugbahn und der Hirsch liegt im Knall. Als ich die Waffe entlade, kommen die Emotionen. Ein Moment, auf den ich jahrelang hingearbeitet habe. Ich nehme mir Zeit, lasse den Moment wirken. Mit dem letzten Bissen ehre ich das Wild, wie es die Tradition verlangt. Ein reifer Hirsch, etwa 10 Jahre alt, rund 200 Kilogramm Lebendgewicht und 20 Enden. Das Licht schwindet schnell. Unter dem Vollmond entstehen Bilder, die diesen Moment für immer festhalten.

Ein Traum – Realität geworden.

About the author

Alexandre VERNAY-AUMEUNIER

Alexandre has been a passionate hunter since the age of 6 when he began accompanying his father. Today, he hunts mainly big game in France but travels regularly looking for new adventures! Wanting to share and pass on his vision of hunting, Alexandre now makes videos of his hunting adventures on his YouTube channel: TheHuntingAlex.