9 Profi-Tipps

Für erfolgreichere Jagden mit dem Fernglas

9 Profi-Tipps für erfolgreichere Jagden

Besser beobachten, erfolgreicher pirschen

Sie haben sich ein gutes Fernglas gekauft. Aber holen Sie wirklich das Maximum daraus heraus?

Egal ob in den Bergen Grönlands oder im Busch Kameruns – für mich gehört ein hochwertiges Fernglas zur wichtigsten Ausrüstung jeder Jagd. Oft ist es sogar das entscheidende Werkzeug. Gute Optik allein reicht allerdings nicht aus. Entscheidend ist auch, die richtige Vergrößerung für den jeweiligen Einsatz zu wählen und die Technik dahinter zu beherrschen.

Hier sind die Methoden und Erfahrungen, die sich für mich in der Praxis am meisten bewährt haben – von der Wahl der richtigen Optik bis hin zur effektiven Nutzung im Revier.

„Viele Jäger nutzen einen Zielstock für einen Schuss auf 100 Meter, verzichten aber auf ein Stativ zum Beobachten auf 1.500 Meter, weil es ihnen zu schwer erscheint. Das ergibt keinen Sinn.“

1. Qualität macht den Unterschied

Natürlich kann man auch mit günstigen Ferngläsern Wild entdecken. Aber hochwertige Optik zeigt ihre Stärken besonders dann, wenn auf große Distanzen beobachtet wird.

Gerade beim intensiven Absuchen weiter Flächen merkt man schnell, warum Premium-Gläser ihren Preis haben. Das bekannte Motto „Buy once, cry once“ trifft bei Optik absolut zu.

Kaufen Sie daher das beste Glas, das Ihr Budget zulässt. Ein hochwertiges Fernglas begleitet Sie problemlos 10 bis 20 Jahre oder länger – statt alle paar Jahre ersetzt werden zu müssen.

Gute Optik bedeutet außerdem nicht nur bessere Bildqualität. Sie schont auch die Augen und reduziert Ermüdung. Wer nur fünf Minuten durchs Glas schaut, merkt kaum Unterschiede. Wer jedoch einen ganzen Tag hinter Fernglas oder Spektiv verbringt, kennt die Kopfschmerzen schlechter Optik.

2. Jede Vergrößerung hat ihren Einsatzbereich

Mehr Vergrößerung bringt Sie näher ans Wild – reduziert aber gleichzeitig das Sehfeld und die Lichtleistung. Außerdem wird es schwieriger, das Bild ruhig zu halten. Welche Vergrößerung optimal ist, hängt stark vom Revier und den persönlichen Vorlieben ab.

Ich selbst würde niemals unter 10-facher Vergrößerung jagen – selbst nicht im dichten Busch Kameruns. Noch lieber nutze ich 12-fach, allerdings sind Entfernungsmesser-Ferngläser meist nur bis 10-fach erhältlich.

Zusätzlich führe ich oft ein 15x-Fernglas im Rucksack mit. Nicht zum ständigen Tragen, sondern für lange Beobachtungen großer Berghänge.

Auch der Objektivdurchmesser spielt eine Rolle. Größere Objektive liefern mehr Licht, bringen aber zusätzliches Gewicht mit sich – ein wichtiger Faktor im Gebirge oder Backcountry.

Für mich bleibt ein 42er die beste Allround-Lösung:

  • 50 mm oder größer ist oft unnötig schwer
  • 32 mm funktioniert gut im Busch, ist im Gebirge aber meist zu lichtschwach

3. Stabilität entscheidet

Viele Jäger verwenden einen Zielstock für den Schuss auf 100 Meter, verzichten aber auf ein Stativ zum Beobachten auf große Entfernung. Dabei bringt ein stabiles Dreibein einen enormen Vorteil.

Ein Stativ hält das Fernglas absolut ruhig. Dadurch erkennen Sie Wild auf Distanzen, die vorher unmöglich wirkten.

Beim Einsatz eines Spektivs ist ein Stativ ohnehin Pflicht – besonders im Gebirge.

Falls kein Stativ verfügbar ist, helfen auch improvisierte Auflagen:

  • Rucksack
  • Bogen
  • Fels
  • Kleidung

Wichtig ist außerdem die richtige Nutzung:

  • möglichst niedrig arbeiten
  • sitzend oder liegend beobachten
  • die Stativbeine statt der Mittelsäule ausfahren

Je niedriger das Setup, desto stabiler bleibt das Bild.

Versuchen Sie außerdem, Optik und Stativ möglichst wenig zu berühren. Schon kleinste Bewegungen übertragen sich deutlich – besonders bei hoher Vergrößerung.

4. Komfort erhöht die Konzentration

Wer unbequem sitzt, beobachtet schlechter.

Wenn Sie stundenlang glasen möchten, sorgen Sie für Komfort:

  • warme Kleidung
  • Sitzunterlage
  • Handschuhe oder Fäustlinge

Ich nehme oft zusätzliche Fäustlinge nur fürs Beobachten mit.

Was viele vergessen: eine gute Sitzmatte. Sie schützt vor Kälte, Nässe und schmerzenden Druckpunkten und verlängert die Zeit hinter dem Glas enorm.

5. Hoch hinaus und Zeit investieren

Suchen Sie sich einen guten Aussichtspunkt. Je höher und steiler, desto besser der Überblick.

Wenn ich in Grönland guide, suche ich zuerst nach Bereichen, in denen sich Wild bevorzugt aufhält. Danach suche ich den höchsten Punkt mit maximaler Sicht über das Gelände. Dort wird aufgebaut und dann beginnt das eigentliche Glasen.

Wenn Sie zunächst nichts entdecken, heißt das noch lange nicht, dass dort kein Wild steht. Scannen Sie denselben Bereich mehrfach – mindestens fünfmal, besser zehnmal.

Selbst im offenen, baumlosen Gelände Grönlands hatte ich schon ganze Gruppen Moschusochsen plötzlich nur 100 Meter vor mir stehen, nachdem ich das Gebiet stundenlang beobachtet hatte.

Wild verrät sich oft erst auf den zweiten oder dritten Blick.

6. Planen Sie Ihre Pirsch

Wenn Sie Wild entdecken, laufen Sie nicht sofort los.

Nutzen Sie Ihr Fernglas, um die Pirsch sorgfältig zu planen:

  • Geländekanten
  • Felsen
  • Bachläufe
  • Vegetation

Suchen Sie Deckung für den gesamten Anmarschweg. Planen Sie außerdem Alternativrouten ein, falls das Wild zieht. Wichtig: Gelände wirkt aus der Distanz oft völlig anders als aus der Nähe. Merken Sie sich markante Punkte wie:

  • einzelne Felsen
  • markante Bäume
  • Geländekanten
  • Bachbiegungen

7. Suchen Sie nicht nach ganzen Tieren

Manchmal erkennt man sofort ein komplettes Stück Wild. Häufiger entdeckt man jedoch nur kleine Details:

  • Haarbüschel
  • Geweihspitzen
  • Schatten
  • Bewegungen
  • Farbunterschiede

Es geht darum, Dinge zu erkennen, die „nicht ins Bild passen“.

Mit Erfahrung wird man darin immer besser.

Ich habe Moschusochsen bereits auf 10 Kilometer Entfernung entdeckt – nicht weil ich die Tiere direkt erkannt hätte, sondern weil schwarze Punkte in einem grünen Tal einfach unnatürlich wirkten.

Stunden später erlegten wir dort einen starken alten Bullen aus einer Herde von über 20 Tieren.

8. Pflegen Sie Ihre Optik

Hochwertige Ferngläser sind eine Investition – behandeln Sie sie entsprechend.

Nutzen Sie niemals ein schmutziges Shirt zum Reinigen der Linsen. Verwenden Sie stattdessen:

  • Mikrofasertücher
  • Reinigungspinsel
  • spezielle Optikreiniger

Ein Bino Harness schützt das Glas zusätzlich vor Schmutz und Stößen und hält es jederzeit griffbereit.

Nach der Jagd reinige ich meine Ferngläser gründlich. Oft genügt fließendes Wasser für das Gehäuse – vorausgesetzt, die Optik ist wasserdicht.

Danach:

  • Staub mit weichem Pinsel entfernen
  • Linsen vorsichtig reinigen
  • Trocken lagern

So bleibt die Optik viele Jahre einsatzbereit.

9. Distanz richtig einschätzen

Ein Entfernungsmesser hilft nicht nur beim Schuss. Gerade auf der Pirsch im dichten Gelände ist er extrem wertvoll.

Wenn ich beispielsweise auf der Bogenjagd ein Stück auf 200 Meter entdecke, arbeite ich mich gedeckt durchs Dickicht vor.

Damit ich nicht an der falschen Stelle aus dem Busch komme, messe ich unterwegs markante Punkte:

  • Baum auf 50 Meter
  • nächster Baum auf 70 Meter
  • weitere Geländepunkte

So arbeite ich mich exakt bis auf Schussdistanz vor.

Wird die Distanz sauber aufgebaut, taucht man genau dort auf, wo man sein Ziel erwartet.

Geschrieben in Zusammenarbeit mit Philip von Arenstorff, der nach seiner Zeit in der Königlich Dänischen Armee mit Outfitter-Betrieben vom Nordatlantik bis Afrika gearbeitet hat und regelmäßig für dänische Jagdmagazine schreibt.

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