Himalaya-Tahr-Jagd in Nepal

Eines der größten Bergjagdabenteuer der Welt

Himalaya-Tahr-Jagd in Nepal: Eines der größten Bergjagdabenteuer der Welt

Nur wenige Jäger erhalten jemals die Gelegenheit, in Nepal zu jagen. Das liegt nicht nur an der aufwendigen Logistik und den hohen Kosten, sondern auch an der sehr begrenzten Zahl an Jagdlizenzen, die jedes Jahr vergeben werden. Wer jedoch die Chance bekommt, erlebt eine der spektakulärsten Bergjagden der Welt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Seit mehreren Tagen sind wir bereits unterwegs. Der Aufstieg ist anstrengend und fordernd, körperlich wie mental. Doch schließlich erreichen wir das Kerngebiet, in dem die Himalaya-Tahre vorkommen.

An diesem Tag haben der Jäger und die 22 Sherpas – so werden die Träger im Himalaya genannt – Luftlinie etwa 15 bis 20 Kilometer zurückgelegt. Da Tahre jedoch im Hochgebirge leben, führt ein großer Teil dieser Strecke steil bergauf oder bergab über die Hänge des Himalayas.

Ein Jagdlager mitten im Himalaya

Da das Gelände kaum eine einzige ebene Stelle bietet, beginnen einige der Sherpas damit, Geröll und Steine beiseitezuschaufeln, um Platz für ein halbwegs komfortables Zeltlager zu schaffen. Sie arbeiten in einem Tempo, das eindrucksvoll zeigt, aus welchem Holz die Menschen dieser Bergregion geschnitzt sind. Viele von ihnen tragen Lasten, die ihr eigenes Körpergewicht übersteigen, in Rückentragen oder mithilfe der typischen Stirnbänder.

Während das Lager aufgebaut wird, steigen der Jäger und seine beiden Führer, Man Pun Magar und Jug Bahadur Budhamagar, noch einmal den Hang hinauf, um für die Jagd am nächsten Morgen nach Tahren auszumachen. Sofort beginnt der Jäger, das Gelände mit moderner Optik abzusuchen, während Jug sein altes Fernglas hebt, das eher an ein Opernglas als an ein Jagdfernglas erinnert.

Jug war früher Wilderer. Heute führt er ausländische Jäger durch die Berge – ein Wandel, der erst durch die Einnahmen aus der Trophäenjagd möglich geworden ist. Er kennt jeden Bergrücken und jeden Hang in dieser Region. Schon nach kurzer Zeit entdeckt er eine kleine Gruppe mit vier Tahrböcken. Wenig später findet er an anderer Stelle drei weitere.

Neben den Tahren beobachten wir auch einige der begehrten Blauschafe (Bharal) sowie mehrere Gorale, eine asiatische Verwandte unserer Gämse.

Jagdmöglichkeiten und Naturschutz in Nepal

Tausende Jäger haben in den vergangenen Jahren die Berge Neuseelands bereist, um auf Tahr zu jagen. Besonders unter europäischen Jägern hat sich das Land zu einem äußerst beliebten Reiseziel entwickelt. Im Gegensatz zu einer Tahrjagd in Neuseeland, die vergleichsweise erschwinglich ist, gilt eine Jagd in Nepal jedoch als kostspieliges Unterfangen. Das liegt vor allem an der aufwendigen Logistik, der großen Zahl an Sherpas und Jagdführern sowie an den staatlichen Abgaben.

Für die Erlegung eines Himalaya-Tahrs fällt eine Gebühr von 1.500 US-Dollar an, für ein Blauschaf 2.000 US-Dollar. Diese Einnahmen fließen direkt in die Regionen, in denen die Jagd stattfindet, und werden unter anderem für den Bau und Betrieb von Schulen verwendet. In einem Land wie Nepal, das noch immer zu den ärmeren Staaten der Welt zählt, leisten diese Gelder einen wichtigen Beitrag zur lokalen Entwicklung.

Darüber hinaus trägt die Trophäenjagd vielerorts zum Erhalt der Wildbestände und ihrer Lebensräume bei. Die Einnahmen schaffen Anreize für den Schutz von Wildtieren und helfen dabei, wertvolle Lebensräume langfristig zu bewahren.

Derzeit ist die Jagd in Nepal ausschließlich im Jagdreservat Dhorpatan möglich. Dort können Arten wie Himalaya-Tahr, Blauschaf (Tibetischer Bharal), Indischer Muntjak und Schwarzwild bejagt werden. Arten wie der Goral oder der Himalaya-Serau kommen zwar ebenfalls häufig vor, stehen derzeit jedoch nicht zur Jagd frei.

Die erste Chance auf einen Himalaya-Tahr

Nach einer erholsamen Nacht im einfachen Zeltlager wecken die Jagdführer den Jäger noch vor Tagesanbruch. Sie wollen den Aufstieg beginnen, bevor das erste Licht die Berghänge erreicht.

Mit den ersten Sonnenstrahlen stehen sie bereits hoch oben am Berg. Spektiv, Ferngläser und konzentrierte Blicke sind auf die gegenüberliegenden Hänge gerichtet. Wieder ist es Jug, der als Erster einen Tahr entdeckt. Der Jäger hingegen hat deutlich mehr Mühe, die Tiere auszumachen – wie so oft, wenn eine neue Wildart in unbekanntem Gelände bejagt wird.

Mit seinem bruchstückhaften Englisch versucht Jug zu erklären, wo das Stück steht. Ohne Erfolg. Erst als der Jäger das Spektiv systematisch über den Hang wandern lässt – zunächst auf der gegenüberliegenden Talseite, dann immer näher –, entdeckt er den Tahr plötzlich selbst.

Das Tier steht an einer völlig anderen Stelle, als er nach Jugs Beschreibung erwartet hatte. Vor allem aber befindet es sich deutlich näher als angenommen und eindeutig innerhalb einer sicheren Schussdistanz.

Lautlos arbeitet sich der Jäger bis an den Rand einer flach geneigten Felsplatte vor. Er richtet das Zweibein aus, misst die Entfernung und bereitet sich auf den Schuss vor. 344 Meter.

Auf diese Distanz hat er unzählige Male trainiert. Schüsse zwischen 100 und 400 Metern gehören zu seinem Repertoire. Er kennt seine Büchse, seine Munition und die Flugbahn des Geschosses bis ins Detail. Die Entfernung bereitet ihm keine Sorgen. Ruhig repetiert er, legt den Finger an den Abzug und wartet auf den richtigen Moment. Doch plötzlich springt der Tahr rund 30 Meter weiter den Hang hinauf und verschwindet in einem dichten Rhododendronbestand.

Kurz darauf taucht er wieder auf. Zu sehen sind jedoch nur die Spitzen seiner Hörner zwischen den Sträuchern. Gerade als der Jäger glaubt, die Gelegenheit sei vertan, setzt sich das Tier erneut in Bewegung. Wenn es noch etwa 40 Meter in dieselbe Richtung zieht, wird es die Deckung verlassen und frei stehen – genau dort, wo sich eine sichere Schusschance ergeben würde.

Eine der härtesten Bergjagden der Welt

Ohne Übertreibung lässt sich eine Jagd wie diese zu den anspruchsvollsten Bergjagden der Welt zählen. Bereits die Anreise ins Jagdgebiet ist eine Herausforderung für sich. Eine solche Reise kann problemlos bis zu drei Wochen dauern. Der Grund dafür liegt vor allem in der abgelegenen Lage des Reviers. Die Wege sind steil, oft kaum passierbar und können vielerorts nur mit Geländefahrzeugen und langen Fußmärschen bewältigt werden.

Wer nicht drei Wochen Zeit zur Verfügung hat, kann die Anreise verkürzen und den ersten Teil der Strecke per Helikopter zurücklegen. Diese Option schlägt allerdings mit zusätzlichen Kosten von rund 5.000 US-Dollar zu Buche. Auch wer sich für diese Variante entscheidet, sollte in ausgezeichneter körperlicher Verfassung sein. Die Jagd verlangt tagelange Märsche in steilem Gelände – sowohl während der Pirsch als auch beim Umsetzen des Lagers.

Gejagt wird in Höhenlagen, in denen der Sauerstoffgehalt der Luft bereits deutlich spürbar abnimmt. Das zeigte sich schon während des Helikopterflugs ins Jagdgebiet. Das GPS zeigte 3.500 Meter über dem Meeresspiegel, während sich der Pilot mit leicht zittrigen Fingern die Sauerstoffleitung unter die Nase schob.

Während Jens darauf wartet, dass der Tahr aus der Deckung tritt und eine Schusschance bietet, bleibt Zeit, den Blick über die gewaltige Berglandschaft schweifen zu lassen. Trotz der enormen Höhen wachsen hier noch immer Rhododendron- und Bambuswälder – weit oberhalb der Baumgrenze, wie man sie aus europäischen Gebirgen kennt.

Der entscheidende Moment

Endlich tritt der Tahr aus der Deckung und präsentiert breit seine Schulter. Genau die Gelegenheit, auf die der Jäger gewartet hat. Das Absehen wandert auf die braune, lang behaarte Schulter. Der Schuss bricht. Der Rückstoß der 7 mm Remington Magnum drückt den Kopf leicht nach hinten. Als der Jäger wieder ins Zielfernrohr blickt, ist das Stück verschwunden. Es liegt nicht am Anschuss, flüchtet aber auch nicht sichtbar über den Hang. Wo ist es hin?

Dann nimmt er eine Bewegung wahr. Der Tahr schießt mit hoher Geschwindigkeit aus den Rhododendronbüschen. Im Fernglas erkennt der Jäger sofort, dass der Schuss tödlich sitzt. Blut tritt aus den Nüstern aus – ein sicheres Zeichen für einen Lungentreffer.

Doch Jug drängt auf einen weiteren Schuss. Das Stück soll nicht noch tiefer den Hang hinabflüchten. Das Problem: Der Jäger verliert den Tahr erneut aus dem Blick. Das Tier verschmilzt nahezu perfekt mit seiner Umgebung. Für einen Moment droht Panik aufzukommen, als der Tahr wieder hinter der Vegetation verschwindet.

Dann greift Jug ein. Mit einer kurzen Bewegung drückt er den Lauf etwas nach rechts unten. Plötzlich steht der Tahr wieder im Zielfernrohr. Obwohl das Stück bereits zeichnet und jeden Moment zusammenbrechen könnte, entscheidet sich der erfahrene Jäger für einen Fangschuss auf den Träger. Der Schuss sitzt. Der Tahr bricht zusammen und bleibt reglos liegen. Damit endet eine lange, fordernde und außergewöhnliche Jagd in den Bergen Nepals.

Eine Jagdreise nach Nepal planen

Die beste Zeit für eine Jagd in Nepal hängt stark von den Wetter- und Straßenverhältnissen ab. In der Regel gelten Oktober, November und März als die aussichtsreichsten Monate für eine Reise.

Eine Jagd auf eigene Faust ist in Nepal nicht möglich. Sämtliche Jagden müssen über einen zugelassenen Veranstalter oder direkt über einen lokalen Outfitter organisiert werden. Da nur wenige Jagdreiseveranstalter über praktische Erfahrung in Nepal verfügen, ist die direkte Buchung bei einem der etablierten Anbieter vor Ort oft der einfachste Weg, um an verlässliche Informationen und aktuelle Revierkenntnisse zu gelangen.

In Nepal gibt es nur wenige spezialisierte Outfitter, die regelmäßig internationale Jäger betreuen. Die erfahrensten Anbieter führen jedes Jahr Gäste aus aller Welt und erzielen dabei konstant hohe Erfolgsquoten.

Die in diesem Artikel beschriebene Jagd wurde organisiert von:

Global Safaris Nepal
Post Box: 20132, Thamel-29
Kathmandu, Nepal

Tel.: +977 9851162503
(Mr. Samsher Para July)

Web: www.huntnepal.com

Der Himalaya-Tahr

Zuhause oberhalb der Baumgrenze

Der Himalaya-Tahr stammt aus dem gewaltigen Gebirgszug des Himalayas, der sich über Indien, Nepal, Bhutan, China und Pakistan erstreckt. In dieser Region befinden sich neun der zehn höchsten Berge der Erde – darunter auch der Mount Everest mit 8.848 Metern. Als echter Gebirgsspezialist lebt der Himalaya-Tahr in steilem, felsigem Gelände. Je nach Jahreszeit und Witterung hält er sich in Höhenlagen zwischen 3.500 und 5.200 Metern auf. Während der Wintermonate zieht er in tiefere Lagen, um den extremen Schneemengen in den Hochlagen auszuweichen. Im Jahr 1904 wurde der Himalaya-Tahr in Neuseeland eingeführt. Heute stammt der Großteil der weltweit erlegten Trophäen von dort. In Neuseeland besiedelt die Art vor allem steile Berghänge und Buschland in Höhen zwischen 750 und 2.250 Metern. In Nepal hingegen ist die Jagd auf den Himalaya-Tahr streng reglementiert. Jährlich werden lediglich rund 20 Lizenzen für diese begehrte Wildart vergeben.

Zwischen Achttausendern und Wildnis

Nepal ist ein Binnenstaat im Herzen des Himalayas. Das Land grenzt im Norden an China und wird im Süden, Osten und Westen von Indien umschlossen. Mit einer Fläche von 147.181 Quadratkilometern ist Nepal etwa viermal so groß wie die Schweiz. Rund 27 Millionen Menschen leben in Nepal. Etwa eine Million davon in der Hauptstadt Kathmandu, die auf rund 1.400 Metern Höhe liegt.

Das Land beherbergt mehr als 240 Gipfel, die über 6.000 Meter in den Himmel ragen. Darunter befinden sich einige der bekanntesten Berge der Welt – allen voran der Mount Everest, der mit 8.848 Metern als höchster Berg der Erde gilt.

Jedes Jahr zieht Nepal Tausende Trekkingreisende, Bergsteiger und Abenteurer aus aller Welt an, die die spektakuläre Landschaft und die einzigartige Bergwelt des Himalayas erleben möchten.