Härkila feiert 40 Jahre

Funktionalität zuerst

Das 40-jährige Jubiläum von Härkila ist der Höhepunkt einer langen Geschichte leidenschaftlicher Jäger, technologischer Innovation im Textilbereich und einer gehörigen Portion Sturheit. Jagdjournalist Jens Ulrik Høgh ist tief in die Ursprünge und das Erbe von Härkila eingetaucht.

Die unverwechselbaren Produkte von Härkila sind heute auf Jagdrevieren in ganz Europa zu sehen, und die meisten Jäger kennen die skandinavischen Wurzeln der Marke. Weniger bekannt ist jedoch, dass die Marke mit dem finnisch klingenden Namen – ausgesprochen „Hair-sheela“ – ihren Ursprung auf einem Familienhof im Westen Schwedens hat.

Early employee group photo.

Die Entwicklung von Härkila basiert auf praktischen Jagderfahrungen in nordischen Wäldern. Heute gehört Härkila zum dänischen Unternehmen Outfit International A/S mit Hauptsitz in Greve südlich von Kopenhagen.

Härkila Katalog, Jahr unbekannt

Die Anfänge: Jagdbekleidung seit 1985

Die Geschichte der Härkila-Jagdbekleidung begann 1985.
Zu diesem Zeitpunkt war der Name Härkila bereits seit Jahrzehnten ein Synonym für erstklassige Jagdhundezucht. 1952 gründete Lennart Davidsson den Kennel Härkila und züchtete Elchhunde und Drever – spezialisierte schwedische Jagdhunderassen.

Der Kennel ist nach dem Familienhof benannt, der seit zehn Generationen zwischen Göteborg und Borås weitergegeben wird. Härkila machte sich schnell einen Namen auf schwedischen Jagdhundeprüfungen. Lennart Davidsson brachte einen Champion nach dem anderen hervor und nahm zu Lebzeiten an über 1.000 Prüfungen teil. Insgesamt gingen aus dem Kennel mehr als 300 Jagdchampions hervor – vermutlich ein europäischer Rekord.

Lennart Daviddson trägt Fiberpelz zusammen mit seinem Hund.

Seine Leidenschaft für Hunde beruhte auf einer ebenso großen Leidenschaft für die Jagd, die sein Sohn Kjell Lennartsson erbte und bis heute intensiv lebt. Kjell verfügt über Jagdreviere mit einer Fläche von mehreren Zehntausend Hektar – von Västra Götaland im Süden bis Jämtland im Norden. Im September und Oktober jagt er täglich, den Rest der Saison an mehreren Tagen pro Woche.

Mitte der 1980er-Jahre ärgerte sich Kjell zunehmend über die damalige Jagdbekleidung. Für einen hart arbeitenden Hundeführer, der sich bis an den vom Hund gestellten Elch heranarbeitet, war sie schlicht ungeeignet. Wasserdichte Kleidung war laut, steif und nicht atmungsaktiv. Die Alternative: nass und kalt werden, wenn das Wetter es so wollte.

Kjell Lennartsson and his dog.

Bahnbrechende neue Technologie

In den 1980er-Jahren erfuhr Kjell über einen Familienfreund von einer revolutionären neuen Textilinnovation. Einige Jahre zuvor hatte das amerikanische Unternehmen Gore eine wasserdichte Membran entwickelt: GORE-TEX®. Sie ließ Feuchtigkeit und Wärme von innen entweichen und hielt Regen zuverlässig draußen.

Einige kleine schwedische Manufakturen nutzten diese Membran bereits für funktionelle Sportbekleidung – allerdings in grellen Farben und mit lauten Außenstoffen, völlig ungeeignet für die Jagd.

Kjell mit seinem Hund und einem erlegten Elch.

Kjell machte sich daran, eine leise, wasserdichte und atmungsaktive Jagdjacke zu entwickeln, die den Anforderungen eines Elchhundeführers gerecht wurde. Zwei Jahre dauerte die Entwicklung eines zufriedenstellenden Prototyps. Mit seinem Vater als Verhandlungspartner führte er Gespräche mit Gore, um eine Lizenz für die Nutzung von GORE-TEX® in Jagdbekleidung zu erhalten.

Unter normalen Umständen wäre es undenkbar gewesen, dass der amerikanische Textilgigant einer so kleinen und unerfahrenen Marke eine solche Lizenz erteilt. Doch Gore erkannte das Potenzial eines neuen, anspruchsvollen Marktes für aktive Jäger und stimmte zu. Das Jahr war 1985. Die einzigen Mitarbeiter des jungen Unternehmens waren Kjell Lennartsson und seine Frau Ingela.

Kjell und seine Frau Ingela in Jagdkleidung.

Der Durchbruch

Härkilas erstes Produkt war eine Fleecejacke mit GORE-TEX®-Membran. Sie sorgte sofort für Aufsehen. Auf der großen Jagdmesse Elmia in Jönköping präsentierte Kjell die Jacke an einem Stand im Freien und demonstrierte ihre Wasserdichtigkeit, indem er sie mit einem Hochdruckreiniger abspritzte, ohne dass Wasser eindrang.

Diese unkonventionelle Präsentation fand große mediale Resonanz. Härkila wurde im schwedischen nationalen Fernsehen gezeigt. Die Marke war der erste Anbieter atmungsaktiver, funktioneller Jagdbekleidung in Skandinavien. Die Produkte waren den konventionellen Alternativen funktional weit überlegen.

Die Kunde verbreitete sich rasch unter aktiven Jägern in Schweden und Norwegen. Jagdmagazine testeten die Produkte, mit sehr positiven Ergebnissen. Timing, Design und Technologie passten perfekt zusammen. Der Verkauf erfolgte zunächst direkt an Endkunden, überwiegend in Schweden und Norwegen.

Lennart Davidsson trägt Fiberpelz

Der Wald als Entwicklungslabor

Kjell hörte seinen Kunden genau zu und entwickelte das Sortiment konsequent weiter. Auf die Fleecejacke folgten funktionelle Jagdhosen. Der Fokus lag stets auf jagdrelevanten Details und kompromissloser Funktion.

Schon früh war klar: Neben Funktionalität sollte Härkila-Bekleidung vor allem langlebig sein. Hochtechnologische Materialien wie GORE-TEX® machten die Produkte teurer als herkömmliche Jagdbekleidung. Entsprechend erwarteten Kunden eine lange Lebensdauer.

1992 brachte Härkila den Lappmark-Jagdanzug auf den Markt – extrem funktional und robust, gefertigt aus demselben strapazierfähigen Material, das auch die schwedischen Streitkräfte verwendeten. Lappmark wurde zum modernen Klassiker. Viele dieser Anzüge sind bis heute – über 25 Jagdsaisons später – im Einsatz.

Kjell Lennartsson and his dog.

Slow Fashion in Reinform

Bekleidung, die extrem lange hält und dadurch langfristig eine bessere Investition ist als mehrere kurzlebige Alternativen. Härkila war zudem der erste Anbieter im Premium-Segment, der auf seine Top-Modelle eine 5-Jahres-Garantie gewährte – ein branchenweit wegweisender Schritt.

Härkila Katalog von 1993, Seite 6-7

Tarnung neu gedacht

Als Elchhundeführer beschäftigte sich Kjell auch intensiv mit Tarnung. Er studierte die Sehfähigkeit von Wildtieren und erkannte: Wissenschaftlich ist belegt, dass die meisten Wildarten Rot nicht wahrnehmen können. Sie unterscheiden Grün, Braun und Rot kaum, sehen aber Blau und Gelb sehr gut.

Die klassische Signalorange – das bekannte „Straßenarbeiter-Orange“ – enthält viel Gelb und ist für Wild daher deutlich sichtbar. Kjell entschied sich bewusst für Rot als Signalfarbe. Eine mutige Entscheidung, die später von vielen Wettbewerbern übernommen wurde.

Übernahme mit Rückenwind

Ende der 1990er-Jahre entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit zwischen Kjell Lennartsson und Carsten Nørgaard, dem Inhaber des dänischen Unternehmens Seeland. Seeland übernahm den Vertrieb von Härkila, wodurch Kjell sich noch stärker auf Produktentwicklung und Produktion konzentrieren konnte.

Dank des europäischen Netzwerks von Seeland verbreitete sich Härkila schnell unter aktiven Jägern in ganz Europa. 2006 übernahm Seeland – heute Outfit International – die Marke vollständig. Entscheidend war dabei, dass Kjell weiterhin aktiv in die Produktentwicklung eingebunden blieb.

Laut Kjell war die Übernahme ein voller Erfolg und leitete eine Phase starken Wachstums ein, bei gleichzeitig mehr Zeit für Jagd, Hunde und neue Ideen.

Härkila model, AW22, Pro Hunter Move 2.0 GTX jacket

Europäische „Jagduniform“

Im Laufe der Jahre brachte Härkila mehrere Modelle auf den Markt, die zu echten Design-Ikonen wurden. Dazu gehören die Pro-Hunter-Anzüge, Nachfolger des Lappmark. Mit einem besonders strapazierfähigen Außenmaterial aus Borås in Schweden setzten sie neue Maßstäbe in Sachen Haltbarkeit.

Ein weiterer Klassiker ist die winddichte, wendbare Kamko-Fleecejacke, eingeführt 2010. Braun auf der einen, Rot auf der anderen Seite – basierend auf der Forschung zur Farbwahrnehmung von Wild.

Dank cleverer Nahtabdichtung kam die Jacke mit nur einer Membran aus, was die Atmungsaktivität deutlich verbesserte. Zwischen 2015 und 2020 war auf nahezu jeder großen europäischen Jagdmesse jeder zehnte Besucher in einer Kamko unterwegs. Sie wurde zur europaweiten Jagduniform.

Härkila, AW23, Kamko Camo Reversible WSP jacket

Eine prägende Zeit für Jagdbekleidung

Heute ist kaum vorstellbar, dass Regen, Schneeregen und Schnee früher bedeuteten, entweder nass und kalt zu werden oder zu Hause zu bleiben. In den 1980er-Jahren trugen Jäger Ölzeug, Wollpullover und schwere Baumwolljacken, die kaum Schutz boten.

Gruppenfoto mit Kjell, Lennart, Emil und weiteren Jägern beim Aufbrechen eines Elchs.

Die letzten vier Jahrzehnte haben die größte Entwicklung in der Geschichte funktioneller Jagdbekleidung gebracht. Und Härkila war dabei stets ein Vorreiter in Funktion, Design und Technologie.

Jäger weltweit haben Härkila viel zu verdanken und können sich auf die kommenden Jahrzehnte freuen.

Kjell trägt Fiberpelz.

Danke, dass Sie unser Jubiläum mit uns feiern und Teil der Härkila-Gemeinschaft sind.

Härkila - Elch & Hund Gemälde

About the author

Jens Ulrik Høgh

Hunting historian and Denmark's sharpest observer of national and international trends in hunting and nature conservation.