Pirsch

Die 10 besten Länder für die Rehbockjagd

Die besten Länder für die Rehbockjagd

Die spannendsten Reiseziele für die Blatt- und Pirschjagd auf Rehwild

Die Rehbockjagd gehört für viele Jäger zu den intensivsten und faszinierendsten Jagdformen überhaupt. Wir haben zehn der besten Länder weltweit zusammengestellt, wenn es um außergewöhnliche Rehbockjagden geht.

„Egal wo auf der Welt – draußen warten unvergessliche Jagderlebnisse.“

Für viele Jäger markiert die Frühjahrs- und Sommerpirsch auf den Rehbock den eigentlichen Beginn des Jagdjahres. Das ist Jagd in ihrer ursprünglichsten Form – ohne Technikstress, ohne Funkgeräte oder komplizierte Hundetracker. Nur Jäger, Natur und absolute Ruhe.

Natürlich macht die Aussicht auf einen starken Bock die Sache noch spannender. Schießen oder ziehen lassen? Wie nah komme ich heran? Steht der Wind richtig?

Neben dem eigentlichen Jagderlebnis bringt eine Reisejagd noch eine zusätzliche Dimension mit sich: neue Landschaften, andere Jagdkulturen, fremde Küchen und interessante Menschen.

Ein weiterer Vorteil der Rehbockjagd im Ausland: Sie lässt sich oft unkompliziert organisieren. Die Reisen sind meist überschaubar, die Ausrüstung hält sich in Grenzen und – sofern man nicht ausschließlich auf absolute Ausnahmeböcke jagt – bleibt die Jagd vergleichsweise bezahlbar. Außerdem fällt die Saison ideal in die Urlaubszeit.

Doch welches Land soll es werden?

Ich selbst durfte beeindruckende Jagden in Spanien, Ungarn, Frankreich, Rumänien, Schweden und auf den Åland-Inseln erleben. Mein stärkster Bock stammt aus Rumänien – an jenem Tag, als plötzlich ein 300-Kilo-Braunbär nur 60 Meter entfernt auftauchte. Ein unvergesslicher Moment.

Der kleinste Bock hingegen kam von den Åland-Inseln – verbunden mit einem mindestens genauso intensiven Erlebnis. Ich saß damals in einer kleinen Baumgruppe zwischen offenen Feldern. Plötzlich entdecke ich im Fernglas einen Bock auf etwa 200 Meter Entfernung. Im selben Augenblick zieht dichter Nebel auf. Die Sicht fällt praktisch auf null.

Und dann steht er plötzlich da. Direkt neben mir. Keine sechs Meter entfernt.

Ganz gleich, wo auf der Welt man jagt – der Wald hält immer besondere Momente bereit. Mein Rat: Wählen Sie Ihr Jagdland nach Interesse und Abenteuerlust aus – nicht allein nach den Trophäenbildern im Katalog.

Waidmannsheil!

Schweden – Rehböcke von Weltklasse

Keine Liste guter Rehbockländer kommt ohne Schweden aus. Im ganzen Land werden starke Böcke erlegt, doch insbesondere die sogenannten „Estate Bucks“ im Süden genießen einen legendären Ruf.

Der stärkste schwedische Rehbock aller Zeiten wurde 1982 auf dem Gut Widtsköfle erlegt. Die Trophäe erreichte 246,9 CIC-Punkte bei 977 Gramm Gewicht.

Doch auch Nordschweden liefert außergewöhnliche Böcke. Einer der stärksten wurde 2010 nördlich von Umeå in Västerbotten erlegt und erreichte beeindruckende 234,7 CIC-Punkte.

Polen – nah, preislich attraktiv und wildreich

Polen gilt seit Jahren als eines der beliebtesten Reiseziele für die Rehbockjagd.

Hohe Wilddichten, gute Organisation und vergleichsweise faire Preise machen das Land besonders attraktiv. Hier kann gezielt auf starke Einzelböcke gejagt oder mehrere Böcke während einer Reise erlegt werden.

Die Jagdzeit beginnt Mitte Mai und endet Ende September.

Spanien – unterschätzt und voller Überraschungen

Spanien wird selten zuerst mit Rehbockjagd verbunden – völlig zu Unrecht. Vor allem im Norden des Landes werden jedes Jahr außergewöhnliche Böcke erlegt.

Die Saison reicht von April bis September. Viele spanische Jäger bevorzugen April und September, obwohl die Blattzeit in den Juli und August fällt. Der Grund: Die Sommerhitze reduziert die Aktivität des Wildes deutlich.

Åland – Rehbockjagd zwischen den Schären

Die Åland-Inseln zwischen Schweden und Finnland bestehen aus rund 6.700 Inseln und beherbergen einen starken Rehwildbestand.

Geschätzt leben dort etwa 15.000 Stück Rehwild, bei einer jährlichen Strecke von rund 4.000 Tieren.

Die Pirsch beginnt am 15. August und läuft bis Monatsende. Absolute Ausnahmeböcke sind eher selten, dafür bietet Åland ein einzigartiges Naturerlebnis. Außerdem besteht eine gute Chance auf Marderhund – eine invasive Art, die ganzjährig bejagt wird.

Ungarn – Blattjagd mit Tradition

Ungarn zählt zu den traditionsreichsten Jagdländern Europas.

Große Reviere, professionelles Wildmanagement und starke Böcke machen das Land besonders attraktiv. Gejagt wird sowohl im Frühjahr als auch während der Blattzeit im Hochsommer. Vergessen Sie also den Blatter nicht.

Für ein besonderes Erlebnis bieten einige Veranstalter sogar Pirschfahrten mit Pferd und Wagen an. Dabei wird das Feld langsam abgefahren, bis ein Bock entdeckt wird – anschließend beginnt die Pirsch zu Fuß.

Großbritannien – stilvolle Rehbockjagd in traumhafter Landschaft

Ob Oxfordshire, Devon oder die schottischen Highlands – Großbritannien bietet erstklassige Rehbockjagd in eindrucksvoller Landschaft. In England beginnt die Saison am 1. April und endet am 31. Oktober, in Schottland bereits am 20. Oktober. Interessant: In Irland wurde das erste Reh offiziell erst 2016 bestätigt. Eine stabile Population existiert dort bislang nicht.

Frankreich – Rehbockjagd und Urlaub kombinieren

Frankreich bietet hervorragende Rehwildreviere und ein angenehmes Klima. Besonders der Südwesten genießt einen exzellenten Ruf.

Die Saison läuft von Juni bis Ende September.

In manchen Regionen lässt sich die Rehbockjagd im September sogar mit Rotwild- oder Gamsjagd kombinieren. Gleichzeitig fällt die Jagdzeit in die klassische Ferienzeit – ideal also, um Jagd und Familienurlaub miteinander zu verbinden.

Rumänien – starke Böcke in Transsilvanien

Rumänien ist bekannt für hervorragende Rehböcke und professionelles Wildmanagement.

Gesetzlich muss ein Jagdgebiet dort mindestens 7.500 Hektar groß sein und von einem verantwortlichen Berufsjäger betreut werden.

Für Trophäenjäger ist Rumänien daher besonders interessant. Die Saison läuft vom 1. Mai bis 15. September. Als beste Zeiten gelten die ersten beiden Maiwochen sowie die Blattzeit Ende Juli bis Anfang August.

Deutschland – Schwarze Rehböcke existieren wirklich

Ja, schwarze Rehböcke gibt es tatsächlich. Besonders bekannt sind Populationen rund um Hamburg sowie in Teilen der Niederlande. Große Trophäen sind selten – der Reiz liegt vor allem in der außergewöhnlichen Färbung. Die Jagd ist allerdings kostspielig. Für drei Jagdtage inklusive eines schwarzen Bockes sollte man etwa 5.000 Euro kalkulieren.

Sibirien – die größten Rehböcke der Welt

Streng genommen handelt es sich hier nicht um das europäische Reh, sondern um das Sibirische Reh (Capreolus pygargus). Doch größer werden Rehböcke nicht. Ausgewachsene Stücke erreichen 40 bis 50 Kilogramm Körpergewicht. Gute Trophäen liegen meist zwischen 700 und 900 Gramm, Ausnahmeböcke überschreiten sogar die Kilomarke.

Gejagt wird meist in den riesigen Birkenwäldern Sibiriens oder in offenen Steppenlandschaften. Die beste Zeit ist die Blattzeit von Ende August bis Mitte September.

Tobias Bestelid arbeitet seit vielen Jahren als Reise- und Jagdjournalist und hat zahlreiche Reiseführer veröffentlicht. Seine Arbeit führte ihn in über 80 Länder weltweit. Seine Leidenschaft gilt besonders der Pirschjagd und anspruchsvollen Bergjagd.

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