Abenteuer in der Wildnis

Trocken bleiben in der WIldnis

Trocken bleiben auf der Jagd: Praxistipps für Regen, Nässe und anspruchsvolles Gelände

Wer auf einer Jagd in abgelegenen Regionen unterwegs ist, möchte möglichst leicht packen. Doch wie bleibt man trocken und warm, wenn das Wetter umschlägt? Und wie lässt sich nasse Kleidung trocknen, wenn kein Feuer gemacht werden kann? Hier sind einige bewährte Tipps aus der Praxis.

Wer schon einmal längere Zeit im Backcountry oder in entlegenen Jagdgebieten unterwegs war, kennt das Gefühl: Irgendwann wird man nass. Daran führt kaum ein Weg vorbei. Selbst mit der besten Ausrüstung findet Wasser früher oder später seinen Weg ins System. Vielleicht ist ein Bach tiefer als erwartet, vielleicht misslingt der Sprung über einen Graben.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, durchnässt zu werden. Das Wichtigste ist jedoch: Niemand wird so nass, dass er nicht wieder trocken werden kann. Die eigentliche Kunst besteht darin, möglichst lange trocken zu bleiben und zu wissen, wie man mit Nässe umgeht, wenn sie sich nicht vermeiden lässt.

„Die Kunst besteht darin, möglichst lange trocken zu bleiben und zu wissen, wie man nach dem Nasswerden wieder trocken wird.“

Membranbekleidung richtig nutzen

Der wichtigste Baustein, um möglichst lange trocken zu bleiben, ist die äußere Bekleidungsschicht. Dabei sollte man sich eines bewusst machen: Keine Membranbekleidung ist zu 100 Prozent wasserdicht. Und das ist auch gut so.

PVC-Regenbekleidung hält Wasser zwar vollständig draußen. Wer damit jedoch längere Strecken gelaufen ist, weiß, wie schnell man durch den eigenen Schweiß genauso nass werden kann wie durch Regen. Moderne Membranen bieten hier einen deutlich besseren Kompromiss. Richtig eingesetzt sorgen sie selbst bei widrigen Bedingungen oft nur für wenige feuchte Stellen auf der Innenseite.

Um das Beste aus einer Membran herauszuholen, hilft ein grundlegendes Verständnis ihrer Funktionsweise. Zu technisch muss es dabei gar nicht werden. Eine Membran besteht aus einem Material mit unzähligen mikroskopisch kleinen Poren. Diese sind so klein, dass Wasser von außen nicht einfach eindringen kann. Gleichzeitig kann Feuchtigkeit von innen nach außen transportiert werden.

Die Körperwärme erzeugt dabei einen höheren Druck auf der Innenseite der Bekleidung. Dadurch wird Feuchtigkeit durch die Membran nach außen abgegeben, sodass das Bekleidungssystem trocken und komfortabel bleibt.

In einer feuchten Umgebung wird dieser Effekt schwächer. Ist die Luftfeuchtigkeit außen hoch, fällt es der Membran schwerer, Feuchtigkeit abzuleiten. Kommt Kälte hinzu, sinkt die Wärmeproduktion des Körpers, und der Unterschied zwischen innen und außen wird noch geringer.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind Falten im Material. Dort kann sich Wasser sammeln und mit der Zeit durch die Membran drücken. Besonders häufig passiert das an den Ellenbogen, im Schulterbereich oder an den Hüften.

Wer beispielsweise stundenlang sitzt und beobachtet, sollte die Arme gelegentlich ausstrecken, damit Wasser ablaufen kann. Auch beim Sitzen lohnt es sich darauf zu achten, dass sich im Hüftbereich keine tiefen Falten bilden, in denen sich Feuchtigkeit sammelt.

Oft reichen kleine Anpassungen aus. Wer reagiert, sobald sich die Bekleidung leicht feucht anfühlt, statt die Situation einfach hinzunehmen, verhindert meist, dass aus etwas Feuchtigkeit echte Nässe wird.

Noch ein letzter Gedanke zu Membranen: Persönlich bevorzuge ich hochwertige, eher leichte Membranbekleidung. Das mag zunächst widersprüchlich klingen, da dünnere Materialien schneller Feuchtigkeit aufnehmen können. Sie trocknen aber auch deutlich schneller. Gerade auf mehrtägigen Jagden ohne Hütte oder Trockenraum nehme ich lieber etwas Feuchtigkeit in Kauf, als tagelang mit Ausrüstung zu kämpfen, die kaum trocknet.

Merinowolle oder Kunstfaser als Baselayer?

Noch vor einigen Jahren wäre die Antwort eindeutig gewesen: Wolle.

Heute haben moderne Kunstfasern jedoch ein Niveau erreicht, auf dem beide Materialien ihre Berechtigung haben. Am Ende ist vieles eine Frage der persönlichen Vorlieben.

Wolle bietet zwei große Vorteile. Erstens wärmt sie selbst dann noch zuverlässig, wenn sie komplett durchnässt ist. Zweitens beginnt sie deutlich später zu riechen als Kunstfaser. Wer auf längeren Touren möglichst wenig Wechselkleidung mitnehmen möchte, profitiert davon erheblich.

Allerdings hat Wolle auch Nachteile. Sie ist weniger robust als viele moderne Kunstfasern. Vor allem aber kann sie große Mengen Wasser aufnehmen und benötigt entsprechend lange zum Trocknen.

Moderne Kunstfasern reichen in puncto Wärmeleistung bei Nässe zwar nicht ganz an Wolle heran, kommen ihr jedoch immer näher. Sie nehmen weniger Wasser auf, trocknen deutlich schneller, sind leichter und oft langlebiger.

Persönlich greife ich inzwischen immer häufiger zu Kunstfasern, auch wenn hochwertige Merinowolle weiterhin ihren festen Platz im Bekleidungssystem hat.

Trockene Füße trotz nasser Stiefel

Jeder kennt die Situation: Eine vermeintlich kleine Pfütze entpuppt sich als deutlich tiefer als gedacht und plötzlich stehen die Stiefel voller Wasser.

Mein erster Rat lautet deshalb: Gamaschen. Sie halten die Füße deutlich länger trocken und verlängern gleichzeitig die Lebensdauer von Stiefeln und Jagdhose.

Eine weitere Speziallösung sind wasserdichte Socken. Sie tragen sich nicht ganz so angenehm wie normale Socken, können aber Gold wert sein, wenn bereits feststeht, dass die Stiefel den ganzen Tag nass bleiben werden. Ihr Nachteil: Sie helfen nicht dabei, die Stiefel von innen zu trocknen. Warum das wichtig ist, wird später noch deutlich.

Unverzichtbar für längere Jagden sind jedoch Wollsocken. Ein kleiner Kunstfaseranteil ist in Ordnung, reine Kunstfasersocken würde ich dagegen vermeiden. Wolle wärmt auch in feuchtem Zustand, entwickelt weniger Geruch und bleibt deutlich angenehmer zu tragen.

Auf längeren Touren sind immer drei Paar Socken dabei: zwei Paar für den Jagdtag und ein Paar für das Lager. Die Lagersocken sollten dick und großzügig geschnitten sein, damit sie nachts über den dünneren Socken getragen werden können und so beim Trocknen helfen.

Was tun, wenn alles nass ist?

Nachdem wir uns angesehen haben, wie sich Nässe möglichst lange vermeiden lässt, geht es nun um die Situation, die früher oder später jeden ereilt.

Der Fluss wurde durchquert. Das Wasser war tiefer als erwartet. Die Kleidung ist komplett durchnässt, die Temperaturen sind niedrig und trockene Ersatzkleidung gibt es nicht.

Was nun?

Mit Körperwärme Kleidung trocknen

Der einfachste Weg, wieder trocken zu werden, ist überraschend simpel: weitergehen.

Allerdings muss man es richtig machen. Zunächst werden sämtliche Reißverschlüsse geschlossen. Danach werden alle weiteren Belüftungsöffnungen dicht gemacht. Die Körperwärme soll möglichst vollständig im Bekleidungssystem bleiben.

Dann heißt es: in Bewegung bleiben.

Je mehr Wärme der Körper produziert, desto besser. Das verhindert nicht nur ein Auskühlen, sondern erhöht auch den Druck innerhalb des Bekleidungssystems. Dadurch wird Feuchtigkeit nach außen gedrückt und die Kleidung beginnt langsam zu trocknen.

Das ist keine Lösung für fünf Minuten. Mit ausreichend Zeit funktioniert sie jedoch erstaunlich gut.

Natürlich könnte zusätzliche Wechselkleidung helfen. Doch auf mehrtägigen Jagden bleibt anschließend immer noch die Frage, wie die nassen Kleidungsstücke wieder trocken werden sollen.

Bevor es weitergeht, lohnt es sich deshalb, die Kleidung auszuziehen und gründlich auszuwringen. So wird bereits ein großer Teil des Wassers entfernt.

Nasse Ausrüstung im Schlafsack trocknen

Am Abend wartet das Zelt. Die Kleidung ist noch immer feucht, und die Motivation, stundenlang um das Lager zu laufen, um weiter Wärme zu erzeugen, hält sich in Grenzen.

Zum Glück gibt es noch eine weitere Möglichkeit: die Ausrüstung im Schlaf trocknen.

Das klingt zunächst zu gut, um wahr zu sein, funktioniert aber erstaunlich gut. Voraussetzung ist allerdings ein Kunstfaserschlafsack. Daunenschlafsäcke eignen sich dafür nicht, da die Daune Feuchtigkeit aufnimmt und ihre Isolationsleistung verliert.

Noch besser funktioniert das System mit einer synthetisch isolierten Weste und Hose. Wichtig ist auch hier: Kunstfaser statt Daune.

Die Isolationsbekleidung wird über die feuchte Jagdbekleidung gezogen und geschlossen. Während meiner Zeit beim Militär habe ich sogar mit Stiefeln geschlafen – angenehm ist das allerdings nicht. Stattdessen packe ich sie heute in einen atmungsaktiven Packsack und verstaue sie im Fußbereich des Schlafsacks.

Über die feuchten Jagdsocken kommen die trockenen Lagersocken.

Dann wird der Schlafsack vollständig geschlossen.

Angenehm ist diese Methode nicht. Nach kurzer Zeit wird es jedoch warm. Die Kleidung ist zwar noch feucht, aber der Körper bleibt komfortabel. Und nach einem langen Jagdtag schläft man meist ohnehin schnell ein.

Wichtig ist, den Schlafsack während der Nacht möglichst geschlossen zu halten. Die entstehende Wärme und der Feuchtigkeitsdruck helfen dabei, Wasser nach außen zu transportieren.

Diese Methode habe ich in Neuseeland angewendet, nachdem ich einen eiskalten Fluss mit Wasser bis zur Brust durchquert hatte. Am nächsten Morgen war die Außenseite des Schlafsacks komplett feucht, während die Innenseite trocken geblieben war – ebenso wie die gesamte Bekleidung.

Geht es lediglich um leicht feuchte Kleidung, muss sie nicht einmal getragen werden. Oft reicht es aus, sie mit in den Schlafsack zu nehmen oder im Fußbereich zu verstauen. Das trocknet nicht ganz so effektiv, funktioniert aber dennoch erstaunlich gut.

Trocken bleiben mit Härkila