Pirschjagd
Auf Sambarhirsche in Neuseeland
Pirschjagd auf Sambarhirsche in Neuseeland
Neuseeland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der beliebtesten Reiseziele europäischer Jäger entwickelt – und das aus gutem Grund. Das Land bietet außergewöhnliche Jagdmöglichkeiten, nicht zuletzt auf den imposanten Sambarhirsch.
Genau für diese Herausforderung sind wir unterwegs – tief im neuseeländischen Hinterland. Noch vor Tagesanbruch stellt Jagdführer Marcel Powell das ATV ab, zieht den Schlüssel aus dem Zündschloss und verstaut ihn sorgfältig in seiner Tasche. Ein verlorener Schlüssel wäre hier draußen zwar kein Drama, würde die Situation aber schnell kompliziert machen. Die Farmen in Neuseeland sind riesig, und das Farmhaus liegt viele Kilometer entfernt.
Noch in völliger Dunkelheit brechen wir auf. Marcel geht voraus, dahinter der Jäger. Das Gras ist nass, der Hang steil und uneben. Immer wieder rutschen wir aus oder gleiten einige Meter den Hang hinunter, bis uns Büsche oder Baumstümpfe stoppen. Verletzen darf sich hier niemand.
Schritt für Schritt nähern wir uns dem Aussichtspunkt, den Marcel für die morgendliche Beobachtung ausgewählt hat.
Pirsch im ersten Licht
Als wir zwischen dornigen Büschen Platz nehmen, dämmert es gerade erst. Noch ist kaum etwas zu erkennen, doch die Spannung steigt – jederzeit könnte der erste Sambarhirsch erscheinen.
Sambarhirsche gelten als extrem vorsichtig, und das Wetter beeinflusst ihre Aktivität stark. Heute sind die Bedingungen ideal. Solange kein Regen einsetzt, sollte Bewegung im Wild sein.
Bereits im ersten Licht entdecken wir die ersten Stücke. Dann huscht ein massiver Schatten durch eine Lücke im Buschwerk. Kurz scheint der Hirsch stark – sechs Enden, das Maximum beim Sambarhirsch. Doch als er freier steht, wirkt er deutlich schwächer als zunächst angenommen.
Der erste Jagdtag endet trotz zehn intensiver Stunden ohne passende Gelegenheit.

Die besondere Brunft der Sambarhirsche
Sambarhirsche unterscheiden sich deutlich von europäischen Hirscharten. Ihre Brunft verläuft gewissermaßen „rollierend“. Über einen Zeitraum von bis zu acht Monaten – von Mai bis Dezember – können Tiere brunftig werden.
Die meisten Hirsche tragen während dieser Zeit bereits verfegte Geweihe. Allerdings werfen Sambarhirsche ihre Geweihe nicht zu einem festen Zeitpunkt ab. Deshalb kann der stärkste Hirsch der Saison durchaus noch im Bast stehen.
Die Herausforderung besteht darin einzuschätzen, ob das Geweih unter dem Bast bereits vollständig ausgehärtet ist – entscheidend für eine spätere Präparation.

Freilebende Sambarhirsche
Die ersten Sambarhirsche wurden 1875 von Falconer Larkworthy, einem neuseeländischen Banker und Großwildjäger, aus Ceylon – dem heutigen Sri Lanka – nach Neuseeland gebracht.
Heute leben die Tiere frei im Südwesten der Nordinsel. Nur an wenigen Orten weltweit ist eine Jagd auf frei lebende Sambarhirsche überhaupt möglich.
Das Gelände hier ist dicht bewachsen. Büsche, Äste und Dornengestrüpp erschweren jeden Schuss. Um Ablenkungen zu minimieren, führt der Jäger eine .375 H&H mit hartem Geschoss.
Auf der gegenüberliegenden Hangseite beobachten wir Alttiere, jüngere Hirsche und zahlreiche Vogelarten. Gleichzeitig ist die Situation entspannend und frustrierend zugleich – alte Hirsche zeigen sich nicht.
Auch am folgenden Tag bleibt die ersehnte Chance aus.

Jetzt oder nie
Zwei Tage später haben wir noch immer keinen passenden Hirsch bestätigt. Allerdings beschäftigt uns ein starker Hirsch im Bast, den wir bereits mehrfach gesehen haben. Die große Frage: Ist das Geweih darunter bereits hart?
Das Verhalten spricht dafür. Der Hirsch markiert sein Revier und folgt weiblichem Wild – typische Anzeichen dafür, dass das Bast bald abgestreift wird. Dann ergibt sich die Chance.
Der Hirsch zieht über die gegenüberliegende Hangkante und beginnt zu äsen. Die Trophäe ist stark, die Körpermasse beeindruckend. Dennoch zögert der Jäger. Soll er den Bast-Hirsch nehmen oder weiter auf einen verfegten Hirsch warten? Lange steht der Hirsch halbverdeckt im Buschwerk. Nur Haupt und Geweih sind sichtbar. Dann tritt er frei. Noch zwei Schritte – und die Chance wäre vorbei. Jetzt muss die Entscheidung fallen.

Hart oder weich?
Der Treffer zeichnet deutlich auf dem Blatt des Hirsches. Im selben Moment springt er ab, zieht hang abwärts und bricht schließlich zusammen. Der eigentliche Kraftakt beginnt jedoch erst jetzt.
Der Hang ist steil, der Bachlauf schlammig, das Buschwerk dicht und voller Dornen. Obwohl die Schussdistanz unter 150 Metern lag, dauert es mehr als eine halbe Stunde, bis wir den Hirsch erreichen. Marcel ist zuerst am Stück. Vorsichtig zieht er den Kopf aus dem Gestrüpp und prüft die Enden des Geweihs. Dann dreht er sich um und nickt.
Das Geweih ist hart. Die Jagd war erfolgreich. Alles Weitere liegt nun in den Händen des Präparators.
Bast oder verfegt?
Die meisten europäischen Trophäenjäger würden keinen Hirsch im Bast erlegen. Viele betrachten Basttrophäen sogar kritisch.
In Nordamerika hingegen gelten Bastgeweihe oft als besonders reizvoll.
Wer einen Hirsch im Bast erlegt und das Geweih später ohne Bast präparieren möchte, muss sicher sein, dass die Knochenstruktur darunter vollständig ausgehärtet ist.

Sambarhirsch – Kurzprofil
Der aus Asien stammende Sambarhirsch kommt in Neuseeland ausschließlich auf der Nordinsel vor – überwiegend auf privaten Farmen.
Es handelt sich um eine massive Hirschart:
- Schulterhöhe Hirsche: bis ca. 1,4 Meter
- Gewicht Hirsche: bis 250 kg
- Schulterhöhe Hirschkuh: bis ca. 1,2 Meter
- Gewicht Hirschkuh: bis 160 kg