Abenteuer in der Wildnis

Buschbockjagd am Limpopo

Buschbockjagd am Limpopo

Der Buschbock zählt zu den schwierigsten Antilopen Afrikas. Besonders anspruchsvoll wird die Jagd dort, wo die Tiere seit jeher zuhause sind – entlang der Ufer des Limpopo. Wir begleiten einen Jäger nach Südafrika auf eine Pirsch, die sich als deutlich herausfordernder erweisen soll als zunächst erwartet.

Ein Platschen durchbricht die Stille. Kurz darauf breiten sich auf der grün schimmernden Oberfläche des Limpopo kleine Wellen aus. Das bedeutet nur eines: Ein weiteres Krokodil ist durch die kaum hörbaren Geräusche der Jäger aufgeschreckt worden und lautlos vom Ufer ins Wasser geglitten. Das urzeitlich wirkende Reptil ist nur einer von vielen unsichtbaren Bewohnern dieses Flusses. Berufsjäger Marcel Powell richtet sich auf und deutet auf die langsam auseinanderlaufenden Ringe auf dem Wasser.

In den Augen des Jägers ist die Faszination deutlich zu erkennen. Mit einem kurzen Nicken bestätigt er Marcels Beobachtung. Der Berufsjäger gibt ein knappes Handzeichen – die Pirsch geht weiter.

Nach wenigen Schritten dreht der Jäger den Kopf und sieht aus dem Augenwinkel einen rötlichen Schatten in einem Busch auf der rechten Seite verschwinden. Es ist nur ein kurzer Blick, doch er genügt. Sofort erkennt er das Tier als Buschbock – die Wildart, auf die die Jagd heute ausgerichtet ist.

Dass die Pirschgruppe erneut von Wild bemerkt wurde, sorgt nicht gerade für Begeisterung. Es ist bereits das wiederholte Mal an diesem Nachmittag. Andererseits gehört genau das zur Buschbockjagd entlang des Flusses. Die Tiere kennen jeden Winkel ihres Reviers und nutzen die dichte Vegetation meisterhaft zu ihrem Vorteil.

„Schieß jetzt!“, flüstert Marcel mit Nachdruck. „Jetzt, schieß!“

Buschbockjagd in seinem natürlichen Lebensraum

Am nächsten Nachmittag sind wir erneut entlang des Flusses unterwegs, als plötzlich ein tiefes Grunzen zu hören ist. Durch sein Fernglas erkennt Marcel zwei Warzenschweinbachen im hohen Gras.

Unser Interesse gilt jedoch nicht den Warzenschweinen.

Wir sind auf der Suche nach einem alten Buschbock.

Die Jagd auf Buschböcke ist eine ganz besondere Form der Afrika-Jagd – zumindest dann, wenn sie wie hier im natürlichen Lebensraum der Tiere stattfindet. In vielerlei Hinsicht erinnert ihr Verhalten an das des Rehwilds. Von der Größe her ähnelt ein Buschbock etwa einem jungen Damhirsch, wirkt jedoch deutlich wachsamer und schärfer in seinen Reaktionen.

Gerade das macht die Jagd so spannend. Die Tiere leben entlang der Flussufer verteilt in kleinen Revieren und verlassen ihre Einstandsgebiete nur selten.

Entlang des Flusses zu jagen, wo Gerüche, Geräusche und die gesamte Atmosphäre so anders sind als in den meisten anderen Jagdgebieten Afrikas, ist ein besonderes Erlebnis. Hinter jeder Biegung kann eine neue Begegnung warten. Der Fluss zieht unzählige Tierarten an.

Hier liegen Krokodile regungslos am Ufer und tanken Wärme in der Sonne. Hier schlagen Leoparden zu, wenn durstige Beutetiere zum Wasser kommen. Und hier wälzen sich Flusspferde im Schlamm, um sich vor der Hitze zu schützen.

Plötzlich bemerkt Marcel eine Bewegung.

Diesmal ist es eine junge Buschbock-Geiß, die aus einem Ufergebüsch springt. Als sie uns wahrnimmt, bleibt sie abrupt stehen. Mit einem leicht naiven Ausdruck, einem aufmerksam aufgestellten und einem locker herabhängenden Ohr, mustert sie uns einige Sekunden lang.

Wir genießen den Anblick, bevor das Stück ebenso plötzlich verschwindet, wie es aufgetaucht ist.

Zwischen Flusspferden und Krokodilen

Bei der Jagd entlang eines Flusses bietet das gegenüberliegende Ufer oft einen entscheidenden Vorteil: Die Tiere lassen sich dort deutlich leichter beobachten.

Wir jagen in Südafrika. Der Limpopo bildet hier die Grenze zu Botswana. Das bedeutet allerdings auch, dass wir auf der gegenüberliegenden Seite nicht jagen dürfen.

Selbst wenn es erlaubt wäre, wäre es kaum eine gute Idee. Der Fluss ist an dieser Stelle lediglich 30 bis 40 Meter breit. Doch ein möglicher Anschuss auf der anderen Seite würde bedeuten, zwischen Flusspferden und Krokodilen schwimmen zu müssen – ein Risiko, das schnell tödlich enden könnte.

Wenig später entdecken wir einen scheuen Buschbock mit seinen charakteristischen schraubenförmigen Hörnern. Einige Minuten lang beobachten wir ihn. Etwas weiter dahinter steht eine Geiß. Leider befinden sich beide Tiere auf der botswanischen Seite.

Kurz darauf setzen wir unseren Weg entlang der mehr als zwölf Kilometer langen Flussstrecke fort, die zum Jagdgebiet gehört. Frische Spuren von Flusspferden im Sand lassen uns sofort aufmerksamer werden. Trotz ihrer gewaltigen Größe gehören Flusspferde zu den gefährlichsten Tieren Afrikas. Sie können überraschend schnell angreifen, und die Vegetation am Ufer ist dicht.

Normalerweise sollten sich die Tiere zu dieser Tageszeit im Wasser aufhalten. Dennoch bleiben wir aufmerksam. Erst als wir erkennen, dass die Spuren zurück zum Fluss führen, richtet sich unsere Aufmerksamkeit wieder vollständig auf die Buschböcke.

Dem scheuen Buschbock auf der Spur

Wieder sehen wir einen Buschbock. Für den Bruchteil einer Sekunde erscheint er als hellbrauner Schatten unter einem Busch, bevor er im hohen Gras und dichten Gestrüpp verschwindet. Etwas weiter flussabwärts verraten die schrillen Warnrufe mehrerer Frankoline – hühnervögelähnliche Bodenbewohner –, welchen Weg das Stück vermutlich genommen hat. Dass erneut ein Buschbock entkommt, zeigt eindrucksvoll, wie anspruchsvoll diese Jagd ist. Mitunter fühlt es sich an, als würde man einem Schatten hinterherjagen.

Die Sonne steht bereits tief über dem Horizont, als Marcel plötzlich etwas entdeckt, das ein außergewöhnlich starker Buschbock sein könnte. Das Tier steht hinter einem Baumstamm. Der Kopf bleibt verborgen, der Körper ist vollständig sichtbar. Ein Schuss auf die Kammer wäre problemlos möglich. Doch ist es wirklich der richtige Bock? In Afrika vergeht die Dämmerung schnell. Die Sonne sinkt nahezu senkrecht dem Horizont entgegen. Viel Zeit bleibt nicht.

„Was meinst du? Sagt dir die Körpergröße etwas?“, fragt der Jäger, ohne die Büchse abzusetzen. Für einige Augenblicke bewegt sich niemand. Weder die Jäger noch der Buschbock. Fast wirkt es, als hätte das Tier gespürt, dass etwas nicht stimmt, ohne die Gefahr lokalisieren zu können. „Schieß jetzt!“, flüstert Marcel mit großer Überzeugung. „Jetzt, schieß!“ Der Jäger zieht den Abzug durch. Der Schuss bricht. Der Buschbock macht noch wenige Schritte nach vorne, knickt in den Vorderläufen ein und fällt ins gelbe Gras. „Woher wusstest du, dass es der richtige Bock war?“, fragt der Jäger. Marcel lächelt „Er hat sich kurz gedreht, um sich zu orientieren. In diesem Moment konnte ich den Kopf sehen und wusste sofort, dass es der richtige war.“ Dann streckt er die Hand aus. „Herzlichen Glückwunsch.“

Ein Buschbock für die Ewigkeit

Während wir das Stück im schwindenden Licht betrachten, zerreißt plötzlich ein markerschütternder Laut die Stille. Es ist kein triumphierender Ruf. Kein Imponiergehabe. Es ist der Laut eines größeren Tieres in höchster Not. Ob ein Leopard, ein Krokodil oder ein anderer Räuber zugeschlagen hat, lässt sich nicht sagen. Sicher ist nur eines: Weiter flussabwärts wurde soeben ein weiteres Leben genommen.

Einen alten Buschbock wie diesen zu erlegen, erfordert weit mehr als nur Erfahrung. Es braucht ein gutes Revier, einen erfahrenen Berufsjäger, Geduld, Ausdauer und sichere Schießfertigkeiten. An diesem Tag kam all das zusammen. Und so wurde aus einer einfachen Pirsch entlang des Limpopo eine faszinierende und herausfordernde Jagd auf eine der heimlichsten Antilopen Afrikas. To take a big bushbuck like the one the hunter has just taken, not only requires experience. It also requires a good hunting area, a skilled professional hunter and good shooting skills. All these things came together on this day to form a fascinating, challenging hunt along the Limpopo River.